Hier schreibt…
…Fabian Degen (35), Künstler und Mitarbeiter bei der Aids-Hilfe und dem Theater Basel
«Viele Gays haben den Wunsch, gleicher als gleich zu sein.»
Der Mensch ist schon ein seltsames Gezücht. Statt mit Verstand und Genuss das Leben zu leben flüchtet er sich in einen Irrgarten aus Beziehungskrisen, gesellschaftlichen Zwängen und religiösen Stigmen. Er findet und erfindet Mächte, deren er sich unterordnen kann, reist in fremde Gefilde um sich sehnsüchtig an die Rückkehr zu klammern und ist auch in anderen Belangen ein durchaus schlechter Kumpan. Dass er in diesem Zusammenhang seinen Mitmenschen eher zwiespältig gegenübersteht, geht Hand in Hand.
Wenn man sich mit der Geschichte der Club-Kultur befasst, wird sehr schnell klar, dass sich gegenüber des Korsetts des Mensch seins ein Gegenentwurf, eine Subkultur der hedonistischen Vergnügungssucht bildete, welche mehr als befreiend war. Gays fanden dort nicht nur ein Tummelfeld der Akzeptanz sondern waren massgeblich an der Architektur der heutigen Ausgehkultur beteiligt. Ohne Gays kein Disco, keine Soundsystems, kein Studio 54, kein gar nix.
Und heute? Exzesse gibt es schon. Weisses Pulver auch. Doch wirklich gute Parties? Kaum tanzt man ein wenig über dem Schnitt des üblichen links-rechts-Housestep weg, übertönt die Lautstärke des Tuschelns die auf 95db runtergepegelte Anlage. Und das Schlimme daran? Innerhalb der Gayszenen-Parties ist es am Ärgsten. Dieses versteifte am Rand positionieren und sich in Szene setzen bringt nicht wirklich Stimmung. Dazu pumpender House, eine Musikrichtung welche im Vergleich zu anderen Subarten der elektronischen Tanzmusik seit Jahren Wasser tritt und scheinbar nur noch aus Recycling-Material besteht. Der House kann aber nicht wirklich was dafür. Er ist beliebt. Er steht halt dekorativ mit Hang zur Belanglosigkeit angepasst da und stört niemanden gross. Und was nicht stört ist gut. Doch wirklich RICHTIG dazu tanzen, mit geschlossenen Augen und Tränen der Glückseligkeit, aufgehen in einem WIR-Gefühl des Moments? Fehlanzeige. Links, rechts und dazu Arme rhythmisch schlingern. Dazu sich nerven, dass der Tänzer hinter einem leicht herb-männlich schwitzt.
Standen die Gays früher für die besten Parties der Umgebung, stehen sie heute da und ärgern sich, dass doch wieder keiner mit ihnen redet. Dabei schleicht merklich eine Konformität auch in sozial-gesellschaftliche Kontexte. Es kommt einem vor, dass die Gays den Wunsch haben, gleicher als Gleich zu sein. Ich bin ein bekennender Feier-Mensch und die besten Parties in Basel finden sich immer noch in den illegalen Kellern der Stadt. Ich feire meine Feste wie sie fallen und lebe mein Leben mit Genuss und Verstand. Ob mit oder ohne Gay-Factor.
Mai 2011,
Fabian Degen (35), Künstler und Mitarbeiter bei der Aids-Hilfe und dem Theater Basel
www.wastethelight.blogspot.com
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Hier schreibt…
GayBasel.ch veröffentlicht in unregelmässigen Abständen die Gedanken von Exponenten und Exponentinnen der
Basler Szene. Aktivisten, Organisatoren und Kulturschaffende verlieren Worte über das lesbisch/schwule Basel,
die homosexuelle Welt, Politik, Liebe, Gott, Allah, Gesundheit oder auch nicht.
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Bisher hier geschrieben haben:
- Martin Diskomurder Aerni (24), DJ/Grafiker/Musiker
- Sabrina Verna (40), Veranstalterin von «Der lange Tisch»
- Michael Bellgardt (47), Pressesprecher Theater Basel, Basel
- Yannick Müller (21), Mr.Gay Kandidat, Liestal
- Bettina Schelker (39), Musikerin/Schulleiterin, Basel
- Lukas «Pöschtler» Tobler (25), Basel
- Caspar Reimer (29), Journalist, Basel
- Tobias Brenk (30), Dramaturg, Basel
- Peter Thommen (60), Buchhändler, Basel
- Johannes Sieber (35), Kulturunternehmer, Basel
- Guillaume Daeppen (51), Galerist, Basel






