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…Michael Bellgardt (47), Pressesprecher Theater Basel, Basel

«Ich fühle mich ganz normal in meinem GayBasel.»

Michael Bellgardt (47), Pressesprecher Theater Basel, Basel

Irgendwie wird man in Basel ständig mit dem Slogan «Basel tickt anders» konfrontiert, das mag in manchen Bereichen sicherlich stimmen. Jedenfalls habe ich recht schnell gemerkt, dass Basel durchaus eine differenzierte und segmentierte Szene hat, dass hier viel mehr «live» passiert als man vordergründig denkt. Ich bin nämlich nicht der Typ für Internetforen oder virtuelle Kommunikationsrunden - ich brauche ganz reale Freunde und konkrete Auseinandersetzungen.

Als ich vor fünf Jahren nach Basel kam, war meine erste Wahrnehmung von der Basler Schwulenszene die, dass sie anscheinend nicht vorhanden ist. Ich komme aus dem Rhein-Main-Gebiet und hatte einige Zeit in Berlin gelebt und gearbeitet. Also ging ich wie selbstverständlich davon aus, dass eine Stadt mit solch einer Kulturdichte doch zwangsläufig auch eine vielfältige Szene haben müsse, die mehr ist als ein turnusmässig stattfindender Partyevent für U30-Gäste. - Weit gefehlt. Damals machte ich zwei Lokalitäten ausfindig und nachdem ich beiden einen Besuch abstattete war mir klar, das kann's ja wohl für mich nicht gewesen sein.

Meinen Zugang zu GayBasel habe ich dennoch gefunden und zwar dann ziemlich schnell über einen Verein, der sich «network» nennt und ein Zusammenschluss von schwulen Kadermitgliedern ist. «Schwule Männer, die bewegen» war mal eines der mission statements des Vereins - das hat mich interessiert. Erst mal skeptisch gegenüber jeder Vereinsmeierei bin ich also die ersten Male neugierig bis verhalten zu den wöchentlichen Apéro-Treffen gekommen, habe dann aber schnell gemerkt, dass sich in diesem Verein ganz unterschiedliche Menschen zusammengefunden haben, deren gemeinsamer Nenner eben nicht nur das Schwulsein ist. Der schweizweite Verein, in dessen Basler Sektion ich seit 2007 Mitglied bin und seit letztem Jahr mich in der Regionalleitung engagiere, ist eine schöne Gemeinschaft und ein interessantes Begegnungsforum gemäss dem Motto «eine Gemeinschaft ist so gut wie Du bereit bist, Dich einzubringen und etwas daraus zu machen».

Wir treffen uns in lockerer Runde ein mal pro Woche zum Apéro, bieten themenspezifische Anlässe (z.B. Homosexualität und Kirche) in monatlichen Abständen an, unternehmen ein mal pro Jahr eine Reise - und so gestaltet sich ein Teil meiner Freizeit mit meinen Vereinskollegen und Freunden. In meinem GayBasel habe ich einige sehr liebe Freunde über «network» kennengelernt, habe aber auch schwule Freunde, die nicht in «network» Mitglied sind und habe auch Freunde, die nicht schwul sind.

Wenn ich dann darüber nachdenke, ob Basel tatsächlich ganz «anders tickt», dann weiss ich nicht, ob der Slogan für mich noch stimmt... Ich jedenfalls fühle mich ganz normal und gut zuhause in meinem GayBasel.

März 2011,
Michael Bellgardt (47), Pressesprecher Theater Basel, Basel
www.theater-basel.ch

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GayBasel.ch veröffentlicht in unregelmässigen Abständen die Gedanken von Exponenten und Exponentinnen der Basler Szene. Aktivisten, Organisatoren und Kulturschaffende verlieren Worte über das lesbisch/schwule Basel, die homosexuelle Welt, Politik, Liebe, Gott, Allah, Gesundheit oder auch nicht.

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