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…Peter Thommen (60), Buchhändler, Basel

«Junghomos wollen 'straight acting' und 'hetero-like' sein.»

Peter Thommen (60), Buchhändler, Basel

Ich werde in Kürze 61 Jahre alt und bin gelernter Buchhändler in Basel. Ich habe auch noch eine Ausbildung zum Sozialarbeiter gemacht. Leider war es damals aussichtslos, ein offen schwuler Sozialarbeiter zu sein, daher eröffnete ich 1977 den ersten schwulen Buchladen. Und wurde dafür gescholten, dass ich 'an den Schwulen verdienen' würde. Ich denke daran mit einem milden Lächeln, wenn ich heute die geschäftige Party-Szene betrachte und den ganzen gay-business!

Es heisst, in meinem Alter sollte ein Schwuler eigentlich gar kein Sexualleben mehr haben - oder genug Geld für Stricher. Oder er sollte in einer 'Beziehung', oder 'eingetragenen Partnerschaft' leben - möglichst zurückgezogen mit einem seriösen Freund. Aber ich gehe in die Zischbar und ins Elletlui, oder eben ins Internet, um den Kontakt zu alten Bekannten, oder gar zu neuen Fremden zu halten. Parties und wilde Nächte sind nicht mehr mein Ding, da kann man entweder sich schweissnass tanzen, oder in einer Ecke stehen - aber möglichst viel saufen, oder Chems konsumieren sollte mann wohl schon!

Der neuste Trend im ARCADOS-Buchladen ist der Besuch von älteren Homosexuellen, die vereinsamt sind, oder sonstwie Kontakte vermissen. Denn die Klappen-Szene ist tot, nicht nur mangels Klappen. Es gibt sich aber auch, dass ältere Schwule bei mir über ihr Leben nachdenken, oder daraus erzählen wollen. Oder auch nur mit mir die Erinnerungen teilen - und da gibt's auch viel aus Kindheit und Jugend, was bis heute weh getan hat! Nachdem ich für Viele - und über viele Jahre - wegen der schwulen Jugendgruppe und der 'Jungs' - ein Pädophiler war, mutiere ich nun quasi zu einem Gerontophilen. Aber darüber regt sich keineR auf, weil die meisten eh nicht wissen, was das sein soll. Nun, jetzt wisst Ihr es: Jemand der ältere Männer liebt. Und das tun auch nicht wenige junge Männer - sogar ohne finanzielle Interessen - wie ich das im Internet öfters feststellen kann! Doch dieser Zugang ist vielen älteren Herren versperrt, oder zu gefährlich.

Mein Blick in die Zukunft ist sorgenvoll. Junghomos 'entschwulen' sich bis zur Unsichtbarkeit, wollen 'straight acting' und 'hetero-like' sein, wofür sie auch fleissig vor dem Spiegel üben müssen. Dazu gilt politisch korrekte 'Heterofreundlichkeit' auf Parties, wie wenn diese Heteros nicht schon seit Jahrzehnten an unserem fröhlichen Leben hätten teilnehmen können - wir tun es bei ihnen ja auch. Dass dies gar belohnt würde, das glauben die Junghomos wohl nicht wirklich?

Doch die Sehnsucht nach der Einheit mit den Heteros geht viel weiter! Ein 19jähriger fragte mich auf GayRomeo, ob es denn wirklich so schlimm sei, wenn er sein erstes Mal ohne Gummi erleben möchte? Seine Klassenkollegen tun dies auch immer mit ihren Freundinnen - das möchte er doch spüren. Ich bitte Euch, wann gehen wir endlich das grosse Problem im Kopf der vielen Männer an, die Sex (auch) mit Männern geniessen wollen - 'ohne', und öfters mit dem Konsum von Drogen?

Als alte Schwester bin ich aber den Heterosexuellen auch dankbar: Sie schaffen es in allen Generationen immer wieder, ein wunderbar buntes Völklein von Homosexuellen auf die Welt zu bringen, auch wenn viele an den harten heterosexuellen Eierschalen zu zerbrechen drohen! Darum sollten wir öfter mehr nachhelfen - nicht erst als Gerontophile!

Januar 2011,
Peter Thommen (60), Buchhändler, Basel
www.arcados.com

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GayBasel.ch veröffentlicht in unregelmässigen Abständen die Gedanken von Exponenten und Exponentinnen der Basler Szene. Aktivisten, Organisatoren und Kulturschaffende verlieren Worte über das lesbisch/schwule Basel, die homosexuelle Welt, Politik, Liebe, Gott, Allah, Gesundheit oder auch nicht.

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