Hier schreibt…
…Johannes Sieber (35), Kulturunternehmer, Basel
«WER und vor allem WAS ist die GaySzene Basel?»
Gemeinschaften zu erklären und zu begründen, beschäftigte bereits die alten Griechen. Ein Meister des Fachs war Aristoteles, der den Zweck einer Gemeinschaft kurzerhand mit dem guten Leben ihrer Mitglieder definierte.
Angenommen Aristoteles hatte recht und der Zweck einer Gemeinschaft, wie beispielsweise die der GaySzene in Basel, ist das gute Leben aller, die sie zu dem machen, was sie ist: Also das gute Leben der Schwulen, der Lesben, der Queeren, der Freaks und der Transgender. Wie kommt es dann, dass sich eben sie in einer steten Ambivalenz befinden? In der Ambivalenz zwischen der Dazugehörigkeit und dem Bedürfnis, sich davon zu distanzieren?
Aristoteles würde diesen Wankelmut mit der fehlenden Verfassung begründen. Einer Verfassung, die bestimmt, wer zur Gemeinschaft zählt und wer nicht. Eine grundsätzliche Festlegung von Kriterien also, die sowohl der Gemeinschaft wie jedem einzelnen als Entscheidungsgrundlage dient. Doch mal abgesehen davon, dass diese Definition mit zunehmenden Genderstudies immer schwieriger werden dürfte, müsste man Aristoteles erklären, dass es sich mit Normunterwerfung, Rechten und Pflichten nicht nur in der GaySzene Basel, sondern im Jahr 2011 generell nicht mehr ganz so einfach gestaltet wie noch um 300 v.Chr.
Ein interessantes Detail jedoch ist der erwähnten Lehre Aristoteles zu entnehmen: Entgegen der zunehmend populär werdenden politischen Haltung in unserem Land, bestimmte er das Mitglied einer Gemeinschaft nicht primär anhand seiner Herkunft oder seines Wohnorts, sondern über die Partizipation an den Institutionen der betreffenden Gemeinschaft. Bezogen auf die GaySzene in Basel wäre folglich ein Mitglied, wer sich in und für die Szene engagiert: Als Organisator, Veranstalter, Aktivist, Vermittler oder dergleichen mehr.
Und genau hier sind wir meines Erachtens am Punkt: Wem die Identifikation mit GaySzene der Stadt Basel schwer fällt, es ohne aber auch nicht so wirklich kann, dem sei die Partizipation empfohlen! Nur wer sich an GayBasel aktiv beteiligt, ist in der Position, die Gemeinschaft zu gestalten, sie zu formen, zu bestimmen und damit sich selbst aus dem Spannungsfeld der beschriebenen Ambivalenz zu schaffen.
Keine Szene ist derart heterogen wie die der Homosexuellen. Darum nenne ich sie gerne «das bunte Treiben der Stadt Basel». Es gehört dazu, wer sich dazu zählt. Der Anspruch an die Identifikation mit jedem einzelnen Fragment ist vermessen und würde auch eine noch so flexible Identität überfordern. Darum geht es viel mehr um ein gemeinschaftliches Nebeneinander und um das Zusammenstehen, wo ein Zusammenstehen dem Glück der ganzen Gemeinschaft dient.
Und Glück scheint auch im Jahr 2011 noch ein Bedürfnis zu sein. Weshalb sonst läse man Texte wie diese bis zum Schluss?
Januar 2011,
Johannes Sieber (35), Kulturunternehmer, Basel
www.netzlabor.ch
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Hier schreibt…
GayBasel.ch veröffentlicht in unregelmässigen Abständen die Gedanken von Exponenten und Exponentinnen der
Basler Szene. Aktivisten, Organisatoren und Kulturschaffende verlieren Worte über das lesbisch/schwule Basel,
die homosexuelle Welt, Politik, Liebe, Gott, Allah, Gesundheit oder auch nicht.
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Bisher hier geschrieben haben:
- Martin Diskomurder Aerni (24), DJ/Grafiker/Musiker
- Sabrina Verna (40), Veranstalterin von «Der lange Tisch»
- Fabian Degen (35), Künstler und Mitarbeiter bei der Aids-Hilfe und dem Theater Basel
- Michael Bellgardt (47), Pressesprecher Theater Basel, Basel
- Yannick Müller (21), Mr.Gay Kandidat, Liestal
- Bettina Schelker (39), Musikerin/Schulleiterin, Basel
- Lukas «Pöschtler» Tobler (25), Basel
- Caspar Reimer (29), Journalist, Basel
- Tobias Brenk (30), Dramaturg, Basel
- Peter Thommen (60), Buchhändler, Basel
- Guillaume Daeppen (51), Galerist, Basel





