Hier schreibt…
…Guillaume Daeppen (51), Galerist, Basel
«Leider sind die Schwulen keine Trendsetter mehr.»
Ich bin 51 Jahre alt und Galerist in Basel. Meine Sexualität ist nur ein Teil meiner Identität, deswegen mag ich die Wörter SCHWUL oder GAY nicht. Ich bezeichne mich als QUEER.
Mein schwules Leben in Basel begrenzt sich seit mehreren Jahren auf den Dienstag in der Zischbar. Ich gehe kaum auf Gay-Partys, weil die Musik mit zu Mainstream ist. Ausserdem sind die meisten Flyers dieser Parties grauenvoll. Leider sind die Schwulen keine Trendsetter mehr.
In Basel bewege ich mich oft an alternativen Konzerten oder illegale Bars: Hirscheneck, REH4, Agora, Schlachthof, Hauptquartier, Untragbar oder Gleis 13. Hier geht es um gute Musik, neues Design, coole Partys oder subversive Orte. Die Sexualität ist kein Thema. Jeder kann seine Sexualität ausleben. Es ist kein Problem.
Die schwule Szene ist nur noch ein goldener Käfig. Es herrscht keine politische Meinung mehr. Es geht nur noch um Life Style. Schwule haben Geld und sie sollen es ausgeben. Es ist mir auch klar, dass es immer noch Leute gibt, die Problemen zu Hause oder an der Arbeit haben und die schwule Szene ist die einzige Möglichkeit Leute zu treffen. Doch sie sind heute die Minderheit in der Minderheit.
Ich mache mich aber Sorgen. In einer Zeit, wo Arbeitplätze in Ausland auslagern werden. Wo junge Leute ohne Ausbildung keine Arbeit mehr finden. Und an die Uni sollen die Gebühren jetzt noch erhöht werden, nimmt die Gewalt zu. Allgemein.
Unsere Welt wird immer mehr intolerant, rücksichtslos. Konservative Christen in USA. Radikalisierung des Islam in Europa. Fremdfeindliche Politik der SVP in der Schweiz. Die Leute haben Angst und suchen gute alte Werte: Familie, Traditionen.
Und was machen wir? Weiter Party?
Wenn es gute Zeit gab, nur weil es genug Arbeit für jeden gab. Jeder konnte auf eine bessere Zukunft hoffen. Und in dieser Zukunft gab es ein Platz für die Schwulen. Heute bin ich mich nicht mehr so sicher. Also Jungs, es wird Zeit für eine bessere Ausbildung und Arbeitsplätze zu kämpfen. Und vielleicht werden eure Träume wahr: ein Traumprinz. Ein gutes Job. Und von jeden akzeptieren werden, wie ihr seid.
Ich weiss, es ist für mich einfach. Meine Eltern waren tolerant. Ich habe nur eine kaufmännische Lehre gemacht und trotzdem habe ich immer Arbeit gefunden. Ich habe viel gefeiert. Auch viele Freunde an AIDS verloren. Ich geniesse immer noch das Leben. Ich wünsche mir, dass es euch auch so gut gehen wird.
Januar 2011,
Guillaume Daeppen (51), Galerist, Basel
www.gallery-daeppen.com
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Hier schreibt…
GayBasel.ch veröffentlicht in unregelmässigen Abständen die Gedanken von Exponenten und Exponentinnen der
Basler Szene. Aktivisten, Organisatoren und Kulturschaffende verlieren Worte über das lesbisch/schwule Basel,
die homosexuelle Welt, Politik, Liebe, Gott, Allah, Gesundheit oder auch nicht.
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Bisher hier geschrieben haben:
- Martin Diskomurder Aerni (24), DJ/Grafiker/Musiker
- Sabrina Verna (40), Veranstalterin von «Der lange Tisch»
- Fabian Degen (35), Künstler und Mitarbeiter bei der Aids-Hilfe und dem Theater Basel
- Michael Bellgardt (47), Pressesprecher Theater Basel, Basel
- Yannick Müller (21), Mr.Gay Kandidat, Liestal
- Bettina Schelker (39), Musikerin/Schulleiterin, Basel
- Lukas «Pöschtler» Tobler (25), Basel
- Caspar Reimer (29), Journalist, Basel
- Tobias Brenk (30), Dramaturg, Basel
- Peter Thommen (60), Buchhändler, Basel
- Johannes Sieber (35), Kulturunternehmer, Basel






