Hier schreibt…
…Martin Diskomuder Aerni (24), DJ/Grafiker/Musiker
«Ein pazifikinsel-bereisendes Völkchen»
Aufgewachsen bin ich in der Berner Agglomeration, später dann auf dem Land. Ich habe den gestalterischen Vorkurs in Biel absolviert und bin im Alter von 17 Jahren nach Basel gezogen, um die Ausbildung zum Grafiker an der Fachklasse für Gestaltung zu absolvieren. Basel war für mich ein neuer Abschnitt in meinem Leben. Nicht nur, weil ich hier meine erste eigene Wohnung hatte, sondern auch, weil ich mich hier geoutet habe. Parallel zum hiesigen Nachtleben, lebte ich mich auch in der Basler Schwulenszene ein.
Nebst meiner gestalterischen Ausbildung, beschäftigte ich mich intensiv mit Musik, insbesondere im elektronischen Bereich. Da die Songs, die mir gefielen, zu dieser Zeit kaum in den Clubs gespielt wurden, begann ich selbst aufzulegen. An der Heterofriendly Gayparty Crushboys, die in der Kuppel stattfand, hatte ich dann die Möglichkeit, mich hinter dem DJ-Pult zu beweisen. Es folgten weitere Gigs.
Zusammen mit Mario Robles, Michael Berzcelly und später auch Mehmet Arslan gründete ich einen Musikblog, ein DJ-Team und die Party-Reihe unter dem Namen Zaber Riders. Damit machte ich mir schnell ausserhalb der Gay-Szene einen Namen als DJ.
Ich entwickelte mich mehr und mehr zum kulturellen Tausendsassa: Ich schloss meine Ausbildung ab, begründete den Verein Neubasel, der sich zum Ziel gesetzt hat, soziokulturelle Zwischennutzungen zu ermöglichen, mit. Ich gründete das Grafik-Atelier Twenty-Ten Communication, begann für das HillChill-Festival und anfänglich auch für die GameBoys-Party Bookings zu machen und spielte Theater.
Musikproduktion rückte nach und nach in den Vordergrund meiner Tätigkeit. In Kürze wird die CD von The Oh No's 'Goodbye to Childhood' als vierte Auskopplung auf dem Label MonsterMan Recordings erscheinen, dem Platten-Label, das ich zusammen mit Alain Meyer und Nick Suter seit Spätsommer 2011 betreibe.
Mit letztgenanntem habe ich kürzlich als Sweet N' Tender Hooligans die CD 'The Tongue Set Free' produziert und veröffentlicht. Mit meinem DJ-Team gründe ich gerade die neue Podcast- und Partyserie 'Family Affairs' in unserer Home-Base, der Hinterhof-Bar.
Ich bewege mich in einer Szene, in der viel mehr gemeinsame Interessen und Projekte verbinden, als eine gemeinsame sexuelle Orientierung und fühle mich in eben dieser wohler als im schwulen Mainstream. Aus heutiger Sicht frage ich mich manchmal, ob die Freiheit, die wir als Homosexuelle geniessen, wirklich dem harten Kampf, den die Queere-Generationen vor uns bestritten haben, zu verdanken ist, oder doch eher dem Umstand, dass der Markt Homosexuelle als zahlungskräftiges Zielpublikum für sich entdeckt hat.
So nehme ich die hiesige schwul-lesbische-Szene von heute auch wahr. Ein konsumfreudiges, eher anspruchsloses, Pazifikinsel-bereisendes Völkchen, das sich eher einen gemeinsamen Lifestyle, als gemeinsame Ideologien, Utopien und Outputs teilt.
Eine Pauschalisierung meinerseits, die sich wohl wiederum in dem Sexismus begründet, mit dem mir teilweise begegnet wird, äussert sich darin, wenn zum Beispiel eine kurz zuvor kennengelernte Frau, frei nach dem 'Sex And The City' implizierten Schwulen (Vor-)Bild, unbedingt mit mir shoppen oder über ihre Menstruations-Probleme reden möchte: Dinge die mich nun wirklich nicht interessieren. Ja, irgendwie muss man sich ja abgrenzen von den, leider nicht immer unbegründeten, Klischees.
Dennoch bedeutete die schwule Szene in Basel für mich als Neuling Anschluss und Integration. Ebenso konnte ich mich mit ihrer Hilfe in meinem heutigen Tätigkeitsbereich etablieren.
Auch heute noch finde ich immer wieder Seiten am schwulen Basel, die ich sehr schätze und möchte es keineswegs missen.
Februar 2012,
Martin Diskomurder Aerni (24), DJ/Grafiker/Musiker
http://www.facebook.com/pages/B-Movie-Diskomurder/1719921361...
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Hier schreibt…
GayBasel.ch veröffentlicht in unregelmässigen Abständen die Gedanken von Exponenten und Exponentinnen der
Basler Szene. Aktivisten, Organisatoren und Kulturschaffende verlieren Worte über das lesbisch/schwule Basel,
die homosexuelle Welt, Politik, Liebe, Gott, Allah, Gesundheit oder auch nicht.
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Bisher hier geschrieben haben:
- Sabrina Verna (40), Veranstalterin von «Der lange Tisch»
- Fabian Degen (35), Künstler und Mitarbeiter bei der Aids-Hilfe und dem Theater Basel
- Michael Bellgardt (47), Pressesprecher Theater Basel, Basel
- Yannick Müller (21), Mr.Gay Kandidat, Liestal
- Bettina Schelker (39), Musikerin/Schulleiterin, Basel
- Lukas «Pöschtler» Tobler (25), Basel
- Caspar Reimer (29), Journalist, Basel
- Tobias Brenk (30), Dramaturg, Basel
- Peter Thommen (60), Buchhändler, Basel
- Johannes Sieber (35), Kulturunternehmer, Basel
- Guillaume Daeppen (51), Galerist, Basel






